Ein so genanntes Prostata-Adenom, auch bekannt als Hypertrophie oder benigne Prostatahyperplasie (BPH), ist eine gutartige (nicht krebsartige) Veränderung der Prostata, die viele Männer ab dem Alter von ca. 50 Jahren betrifft, in seltenen Fällen auch schon früher.

Verbreitung

Ein Prostata-Adenom ist bei mehr als 80% der Männer im Alter von 50+ vorhanden. Aber nicht alle Männer haben dadurch Beschwerden. Treten jedoch Beschwerden auf, dann sind das meist Harnwegsprobleme, die durch eine vergrößerte Prostata verursacht werden.

Symptome

Die wichtigsten Symptome des Prostata-Adenoms sind eine verminderte Harnstrahlstärke beim Urinieren, häufiger und/oder starker Harndrang, mitunter auch Blasenschwäche. Diese Symptome treten in unterschiedlicher Stärke auf.

Entgegen der landläufigen Meinung ist die Intensität der Symptome nicht direkt auf die Grösse der Prostata zurück zu führen. Daher hängt auch die Entscheidung für oder gegen einen chirurgischen Eingriff nicht von der Grösse ab. Andererseits kann die Grösse der Prostata die Wahl der Operationstechnik beeinflussen, wenn die Indikation zu einer Operation gegeben ist.

Diagnose

Zur Diagnose eines Prostata-Adenoms werden folgenden Elemente herangezogen:

  • Symptom-Fragebögen.
  • Die rektale Untersuchung: eine Tastuntersuchung durch den Arzt, die es ermöglicht, Grösse, Form und Konsistenz der Prostata zu beurteilen.
  • Ultraschall: damit kann die Größe und die Form der Prostata beurteilt werden. Die Ultraschalluntersuchung ermöglicht auch die Abschätzung möglicher Folgen für die Blase.
  • Durchflussmessung: eine Untersuchung, die den Harnausstoss während des Urinierens misst.
  • Zystoskopie: Blasenspiegelung, die bei Bedarf durchgeführt wird, um die Diagnose zu sichern und die Wahl der Operationstechnik zu erleichtern.

Die Frage des PSA-Werts

Das Prostataspezifische-Antigen (PSA) ist ein Eiweiss, das ausschliesslich von Prostatazellen gebildet wird. Es lässt sich im Blut messen (PSA-Test). Der PSA-Wert wird zur Verlaufsbeurteilung von Prostatakrebs herangezogen. Inwiefern er sich auch zur Früherkennung der Krebserkrankung eignet, wird kontrovers diskutiert.

In diesem Zusammenhang ist es wichtig darauf hinzuweisen, dass Prostata-Adenom und Prostatakrebs zwei unabhängige Krankheiten sind. Die eine fördert die andere nicht. Allerdings können die beiden zusammen auftreten - das gilt umso mehr, da beides gehäuft ab dem Alter von 50+ auftritt.

Komplikationen

Prostata-Adenome können zu Komplikationen führen, manchmal akut und schmerzhaft, manchmal progressiv und heimtückisch. Hier die wichtigsten Komplikationen:

Akute Harnverhaltung

Die akute Harnverhaltung ist die bedeutendste und schmerzhafteste Komplikation des Prostata-Adenoms. Die Blase kann sich plötzlich nicht mehr selbst entleeren, was starke Schmerzen verursacht. Die Blockade kann manchmal nach längerer Zurückhaltung auftreten oder durch Medikamente begünstigt werden (z. B. Erkältungstherapie). Eine akute Harnverhaltung erfordert eine dringende ärztliche Behandlung (Notfall-Blasenentleerung).

Chronische Entleerungsstörung der Blase und ihre Folgen

Die Kampfblase

Die Beeinträchtigung des Harnflusses durch das Prostata-Adenom führt oft zu Langzeitfolgen: Die Blasenwand wird dicker, wie ein Muskel, der ständig gegen einen Widerstand kämpfen muss. Dieses Phänomen nennt sich Kampfblase.

Restharn

Wird die zurückgehaltene Harnmenge immer grösser, (über-)dehnt sich die Harnblase. Die Folge ist eine permanent mit Urin gefüllte Blase. Beim Wasserlassen können oft nur mehr eine kleine Urinmengen ausgeschieden werden und es entsteht ein hartnäckiger Harnrückstand, der so genannte Restharn, der unangenehme Folgen haben kann.

Obstruktives Nierenversagen

Der chronische Harnrückstau kann auch die Nieren erreichen und schädigen. Dies kann im Extremfall bis zu Nierenversagen führen.

Andere Komplikationen

Manchmal treten Harnwegsinfektionen auf, die durch stagnierenden Urin in der Blase verursacht werden. In einigen Fällen bilden sich Steine in der Blase, was Schmerzen, Harndrang oder auch Blockaden beim Wasserlassen verursacht.

Eine weitere Komplikationen des Prostata-Adenoms ist die Hämaturie (Blut im Urin), die im Extremfall durch Blutgerinsel auch eine Blockade der Blase verursachen kann.

Prostata-Adenom-Behandlungen

Die Behandlung des Prostata-Adenoms erfolgt sehr individuell, da viele Männer nur wenige oder gar keine störenden Symptome haben. Daher ist es üblich, das Prostata-Adenom regelmässig zu überwachen. Wenn eine Behandlung erforderlich ist, kann diese medikamentös oder operativ erfolgen.

Medikamentöse Behandlung

Es gibt bei der medikamentösen Behandlung des Prostata-Adenoms verschiedenste Ansätze. Der behandelnde Arzt bespricht dies daher individuell mit dem Patienten und empfiehlt eine geeignete Therapie.

Wie bei jeder Behandlung können Medikamente Nebenwirkungen haben, die manchmal den Abbruch der Behandlung erfordern und stattdessen eine Operation notwendig machen.

Chirurgische Behandlung

Prostata-Adenom-Operationen werden in folgenden Fällen vorgeschlagen

  • Bei starken Beschwerden, die nicht oder nur unzureichend medikamentös gelindert werden können.
  • Bei Medikamentenintoleranz (Abneigung).
  • Bei Komplikationen (siehe oben).

Es gibt verschiedene Arten von Operationstechniken, um die gutartige Prostatavergrösserung zu behandeln. Ihr Prinzip besteht großteils darin, den inneren Teil der Prostata zu entfernen, der für die Einengung der Harnröhre verantwortlich ist.

Diese Eingriffe unterscheiden sich völlig von der Prostatakrebs-Operation, bei der eine radikale Prostatektomie (Entfernung der Prostata und der Samenblasen) durchgeführt wird, was sich negativ auf die Erektion auswirken kann. Prostata-Adenom-Operationen haben bis auf Ausnahmefälle keine solchen Folgeerscheinungen.

Die folgenden sind die Arten von Verfahren, die üblicherweise durchgeführt werden:

Suprapubische Adenomektomie

Dies ist die älteste Operationsart und wird heute nur mehr selten durchgeführt. Dabei wird im Unterbauch ein Schnitt zur Prostata gemacht, um den erkrankten Teil der Prostata (das Adenom) zu entfernen. Dieses Verfahren ist für grossvolumige Prostata vorgesehen.

Endoskopische Prostataresektion

Bei diesem Verfahren wird ein Endoskop (Metallröhrchen mit Optik und Kamera) eingeführt, um das Prostata-Adenom in kleine Stücke ("Chips") zu schneiden. Dieses Verfahren ist der derzeitige Standard, wird aber zunehmend durch die Laserchirurgie ersetzt.

Laser-Chirurgie / HOLEP-Verfahren

Das so genannte HoLEP-Verfahren (Holmium Laser Ablation der Prostata) ist eine inzwischen bewährte Operationsmethode bei gutartiger Prostatavergrößerung. Vor allem bei der Behandlung grosser Adenome findet dieses Verfahren eine perfekte Anwendung. Dr. Corneloup bietet HoLEP-Operationen als Belegarzt im Landesspital in Vaduz an.

Zum Schluss

Das Prostata-Adenom ist eine sehr häufige Erkrankung, die die Lebensqualität der Betroffenen stark beeinträchtigen kann. Fortschritte in der medikamentösen Therapie haben die Häufigkeit von Komplikationen deutlich reduziert und ermöglichen in den meisten Fällen die Wiederherstellung einer normalen oder nahezu normalen Harnwegsfunktion. Dennoch ist eine regelmässige Beurteilung der Situation notwendig, da die Behandlung mit der Zeit weniger wirksam werden kann.

Prostata-Adenom-Operationen sind angezeigt, wenn die medikamentöse Behandlung nicht (mehr) wirkt. Moderne Techniken sorgen in der Regel dafür, dass es keine oder nur sehr wenige unerwünschte Folgen gibt. Harninkontinenz etwa, die oft befürchtet wird, ist selten und wenn, dann meist nur vorübergehend. Am besten, Sie besprechen Ihre diesbezüglichen Bedenken direkt mit Ihrem behandelnden Urologen.